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Simon-Kucher: Abgeltungssteuer birgt Chancen für Finanzdienstleister Drucken E-Mail

Bonn, 29. März 2008 - skp/pan. Der Countdown läuft. Mit der Einführung der Abgeltungssteuer am 1. Januar 2009 wird sich das Wertpapiergeschäft in Deutschland stark verändern. Georg Wübker und Jan Engelke vom Bonner Beratungshaus Simon-Kucher & Partners raten der Finanzindustrie, dies als als Chance zu sehen. Die Unternehmen sollten die Steuer nutzen, um neue Produkte zu entwickeln und ihre Kunden langfristig und zu höheren Preisen zu binden, so die Experten. Wo und wie die Finanzdienstleister dabei ansetzen könnten, zeigen die Consultants in einer aktuellen Mitteilung.

Noch variiert die Besteuerung von Kapitalerträgen für die unterschiedlichen Wertpapier- und Einkommensarten. Mit der Abgeltungssteuer werden Kursgewinne, Zinsen, Dividenden und andere Gewinnausschüttungen künftig identisch zu 25 Prozent  -plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer - versteuert und direkt von den Banken abgezogen. Das hat folgende Konsequenzen:

1. Strukturierte Anlageprodukte werden attraktiver
Bei strukturierten Produkten mit einem steuerlichen Mantel wie Fonds oder Lebensversicherungen müssen die Teilhaber bei Umschichtung innerhalb des Mantels für erwirtschaftete Kursgewinne einzelner Wertpapiere keine Abgeltungsteuer zahlen. Erst beim Verkauf wird besteuert.
 
2. Einzeltitel verlieren an Bedeutung
Ein Zinseszinseffekt wie im Mantelprodukt tritt bei der Anlage in Einzeltiteln nicht ein. Für Kunden, die gelegentlich oder regelmäßig umschichten, verliert der Einzeltitel an Attraktivität. Diese Kunden werden zumindest teilweise in strukturierte Produkte wechseln. Auch die klassische Vermögensverwaltung in Einzeltiteln wird an Bedeutung verlieren, da die regelmäßige Umschichtung zu deutlichen Performancerückgängen führen wird.

3. Aktive Kunden haben mehr Freiheit
Für aktive Kunden stellt die heute gültige Spekulationsfrist von einem Jahr häufig eine psychologische Barriere dar, denn die Steuervermeidung ist ein stärkerer Antrieb als die Gewinnrealisierung. Diese Kunden gewinnen an Spielraum und sie können ohne Rücksicht auf Fristen kaufen und verkaufen. Ein Gebührenmodell mit niedrigen Transaktionskosten würde dieses Verhalten noch unterstützen. 

4. Flexible Gebührenmodelle gewinnen an Bedeutung
Unter steuerlichen Aspekten beinhalten optimale Gebührenmodelle zukünftig höhere Transaktions- und niedrigere bestandsabhängige Gebühren. Grund: Transaktionsgebühren sind als Anschaffungskosten bei der Gewinnrealisierung abziehbar. Bestandsabhängige Gebühren wie die Depotgebühr und die Vermögensverwaltungsgebühr werden nicht mehr als Werbungskosten angerechnet. Dadurch verlieren die derzeit populären All-In Fee Modelle an Attraktivität. Banken sollten daher künftig unterschiedliche Gebührenmodelle für verschiedene Kundenbedürfnisse anbieten.

5. Kundenbindung und Preisdurchsetzung verbessern sich
Bei der Auflösung eines Vermögensverwaltungsmandats mit anschließendem Bankwechsel muss der Anstieg des Vermögens versteuert werden. Ein Wechsel lohnt nur dann, wenn der Kunde bei seiner neuen Bank eine deutlich höhere Performance und/oder deutlich niedrigere Gebühren erwartet. Beides ist derzeit eher unrealistisch. Durch diese höheren Wechselbarrieren reduzieren die Banken die Sonderkonditionen in der Vermögensverwaltung.

6. Geldanlage im Ausland wird ansprechender
Ein Blick über die Grenze nach Österreich oder in die Schweiz zeigt, dass die Gesamtbelastung durch Steuern tendenziell niedriger ist als in Deutschland. Durch die zukünftige Versteuerung von Kursgewinnen nimmt dieser Unterschied weiter zu. In der Spitze kann er bis zu 60 Prozent betragen.

 
  Datum: 16.05.2008

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