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Deloitte-Studie: Fitnessketten nehmen den Einzelstudios Mitglieder ab Drucken E-Mail

Düsseldorf / München, 4. April 2008 – dd/pan. Nach einem schwachen Vorjahr ist die deutsche Fitnessindustrie 2007 mit sechs Prozent wieder deutlich gewachsen. Zurzeit trainieren knapp 5,5 Millionen Mitglieder in den Studios. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich deren Anzahl um eine Million erhöht. Der langfristige Wachstumstrend setzt sich damit fort. Im vergangenen Jahr habe der Branchenumsatz erstmals knapp drei Milliarden Euro betragen, so das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte unter Berufung auf seine Marktstudie „Der deutsche Fitness- und Wellnessmarkt 2007“.

Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind die Ketten, die zahlreiche Studios und Anlagen betreiben. Diese wachsen laut Studie seit Jahren deutlich stärker als der Gesamtmarkt. „Ihr Marktanteil stieg in den vergangenen vier Jahren bei den Mitgliedern um 13 Punkte auf knapp 35 Prozent, während dieser bei den Anlagen aufgrund überdurchschnittlicher Größe lediglich 13,8 Prozent beträgt“, sagt Niels Gronau, Marktexperte bei Deloitte.

Aber: Einzelstudios halten weiterhin den größten Marktanteil, obwohl sie teilweise Mitglieder an Kettenbetreiber verloren haben. „Doch auch sie nutzten im vergangenen Jahr das positive Umfeld und steigerten ihre Mitgliederzahl deutlich“, so der Berater.

Starke Discount-Anbieter

Von den großen Betreibern sticht der Anbieter McFit hervor: Der Marktführer konnte die Mitgliederzahl um 32 Prozent auf 550.000 steigern; diese trainieren für monatlich 16,90 Euro in einer der 89 Anlagen. Doch auch kleinere, regionale Discountanbieter wie Clever Fit oder Day-Night-Sports konnten Anlagen- und Mitgliederanzahl deutlich ausbauen.

„Im internationalen Vergleich stellt Deutschland mit diesem Trend zum günstigen Fitnessangebot eine Ausnahme dar“, erklärt Karsten Hollasch, Partner und Leiter der Industriegruppe Leisure bei Deloitte. In Europa habe sich dieser Trend noch nicht durchgesetzt, sagte der Experte. McFit möchte das Disount-Modell nun zu den europäischen Nachbarn exportieren und plant nach eigenen Angaben, 2009 mit über 1.000.000 Mitgliedern zum mitgliederstärksten Betreiber in Europa zu werden.

Premium und Wellness

Auf der anderen Seite des Angebotsspektrums konnten Premiumanbieter mit Fokus auf Wellnessangebote ihre Marktposition ausbauen. Deren Leistungsspektrum im zumeist gehobenen Ambiente umfasst neben Fitnesstraining beispielsweise umfangreiche Sauna- und Schwimmangebote sowie spezielle Zusatzleistungen wie Massage oder physiotherapeutische Anwendungen.

Wesentliches Positionierungsmerkmal ist darüber hinaus meist die individuelle Betreuung durch das Service- und Trainingspersonal. So plant der Münchner Anbieter body+soul, bis Ende 2008 seine Anlagenzahl sowie Mitgliederzahl im Großraum München zu verdoppeln. Die süddeutsche Metropole bietet mit hoher Einwohnerdichte, niedriger Arbeitslosigkeit und überdurchschnittlicher Kaufkraft einen enormen Standortvorteil – denn wie im Einzelhandel ist auch in der Fitnessbranche der Standort entscheidend.

Geografische Besonderheiten

Betrachtet man die Marktstrukturen auf Bundesebene, fällt daher auch eine deutliche Dreiteilung in Stadtstaaten sowie alte und neue Länder auf. In der Großstadt Hamburg sind beispielsweise 12,5 Prozent der Einwohner Mitglied in einem Studio, mit einem vergleichsweise hohen Anteil von Mitgliedern in Premiumstudios. Im Gegensatz dazu sind es in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern mit gerade einmal 2,5 Prozent knapp 10 Punkte weniger. Mit jeweils zweistelligen Wachstumsraten verzeichneten das Saarland und Bremen den höchsten Zuwachs in 2007.

Der deutsche Fitnessmarkt zeigt im europäischen Vergleich noch ein erhebliches Potenzial: Die Reaktionsquote (Fitnessstudiomitglieder im Vergleich zur Gesamtbevölkerung) liegt bei 6,6 Prozent, wohingegen Länder wie England (11,8 Prozent), Schweden (14,3 Prozent) oder die Niederlande (16,4 Prozent) nach einer von Deloitte im Auftrag des Branchenverbands IHRSA durchgeführten Studie eine deutlich höhere Marktdurchdringung aufweisen.

Vereine als Wachstumsbremse

„Aufgrund der traditionellen Vereinslandschaft in Deutschland wächst die Akzeptanz kommerzieller Fitnessangebote langsamer“, sagt Hollasch. Durchschnittlich beträgt die europäische Reaktionsquote 7,9 Prozent – diese zu erreichen wäre für Deutschland gleichbedeutend mit einer Million zusätzlicher Mitglieder oder einem Umsatzplus von knapp 550 Millionen Euro.

 
  Datum: 16.05.2008

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