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Immer mehr Mittelständler sehen Licht am Ende des Tunnels. Mehr als jeder Dritte erwartet eine Verbesserung der eigenen Geschäftslage, fast die Hälfte der Unternehmer glaubt an einen Konjunkturaufschwung. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter rund 3000 klein- und mittelständischen Betrieben in Deutschland.
Laut Umfrage erwarten nur elf Prozent der Befragten eine Verschlechterung der eigenen Lage. Im vergangenen Juni seien es fast ein Drittel gewesen, so Ernst & Young. Mit einen Abschwung rechnen nur noch 21 Prozent (Juni 27 Prozent).
„Die Krise ist zwar noch nicht vorbei, aber der Schmerz lässt langsam nach“, kommentiert Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. Für eine Entwarnung sei es noch zu früh: „Über den Berg sind viele Mittelständler trotz der leichten Konjunkturerholung noch nicht“, warnt der Experte.
Die Mehrheit der Unternehmen ist trotz der schlechten Wirtschaftslage derzeit in einer relativ stabilen Verfassung: Knapp jedes dritte Unternehmen (29 Prozent) ist in einem sehr stabilen Zustand, weitere 63 Prozent bezeichnen die eigene Situation als „eher stabil“. Acht Prozent sind nach eigener Auskunft derzeit in einer kritischen Lage – im Juni 2009 lag der Anteil noch bei 12 Prozent.
Firmenpleiten nehmen zu
Die Befragten sehen im Durchschnitt das Ende der Krise für Juni 2011 voraus. Immerhin jeder zweite geht sogar davon aus, dass die Krise bereits in diesem Jahr vorüber sein wird.
Die prognostizierte Verbesserung der Wirtschaftslage wird allerdings nicht verhindern können, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen gerade im Mittelstand weiter steigt: „Selbst wenn jetzt wieder eine leichte Erholung festzustellen ist – ein Produktionseinbruch wie es ihn 2009 gegeben hat, hinterlässt deutliche Spuren. Es wird noch mindestens zwei Jahre dauern, bis wir beim Produktionsvolumen wieder auf dem Stand vor der Krise sind. Eine solche Unterauslastung der Kapazitäten beschleunigt die Marktbereinigung“, so Englisch.
Zudem wird die steigende Zahl von Insolvenzen auch bislang gesunde Unternehmen in Schwierigkeiten bringen. „Forderungsausfälle können durchaus zu existenzbedrohenden Situationen führen“, so Englisch. Einigen Unternehmen wird auch die wachsende Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe zum Verhängnis: „Wer schon vor der Krise Probleme hatte, kann jetzt kaum noch auf Entgegenkommen von Seiten der Banken hoffen“, befürchtet Englisch.
Sollte keine deutliche Verbesserung der Wirtschaftslage eintreten, könnten daher zahlreiche Unternehmen gefährdet sein: Bei jedem zehnten Unternehmen würde das Ausbleiben eines nachhaltigen Aufschwungs zu existentiellen Problemen führen – nur jedes zweite Unternehmen sieht sich derzeit gefeit gegen die Auswirkungen der Krise. In den ostdeutschen Bundesländern ist die Situation besonders schwierig: Jeder sechste ostdeutsche Mittelständler befände sich in einer kritischen Situation, wenn es in den kommenden sechs Monaten nicht zu einer durchgreifenden Verbesserung der Wirtschaftslage kommt.
Weiterer Beschäftigungsrückgang
Nach wie vor planen die mittelständischen Unternehmen sehr vorsichtig: Zwar wollen 15 Prozent der Unternehmen im kommenden Halbjahr zusätzliche Mitarbeiter einstellen, der Anteil der Unternehmen, die die Zahl der Beschäftigten reduzieren wollen, ist mit 18 Prozent aber etwas höher. Per Saldo ist daher mit einem leichten Rückgang der Beschäftigtenzahl im deutschen Mittelstand zu rechnen, keineswegs aber mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Auch bei den Investitionen wollen die Mittelständler weiterhin Zurückhaltung walten lassen: 23 Prozent der Befragten planen, die Investitionsausgaben im kommenden Jahr zu erhöhen, 16 Prozent wollen sie reduzieren. Die große Mehrheit aber – 61 Prozent – hat vor, die Investitionsausgaben auf dem aktuellen (niedrigen) Niveau zu belassen.
Obwohl die Zuversicht langsam zurückkehrt, agieren die deutschen Mittelständler nach wie vor sehr zurückhaltend und versuchen, möglichen Risiken aus dem Weg zu gehen. Zwei von drei deutschen Mittelständlern setzen derzeit nicht auf Wachstum, sondern konzentrieren sich darauf, das Kerngeschäft zu stabilisieren. An einer Erweiterung der Produktpalette arbeitet nur jedes dritte Unternehmen. Eine Internationalisierungsstrategie verfolgt sogar nur jedes vierte Unternehmen.
Vertrauen fehlt
„Die Mehrzahl der Unternehmen verfolgt derzeit konservative Strategien: Risiken werden vermieden, eine Expansion steht für die meisten Mittelständler nicht auf der Tagesordnung“, so Englisch. Der Grund sei das nach wie vor mangelnde Vertrauen der Unternehmer.
Viele Unternehmer gehen vorerst auf Nummer Sicher: Sie wollen vermeiden, womöglich einem neuerlichen Konjunktureinbruch zum Opfer zu fallen. Aggressive Wachstumsstrategien, das Eingehen unternehmerischer Risiken, die Erschließung neuer Märkte – nur eine Minderheit der Mittelständler geht derzeit in die Offensive und sucht nach neuen Marktchancen. Diese Haltung sei zwar verständlich, aber letztlich gefährlich, so Englisch.
Unternehmen, die dazu in der Lage sind, sollten schnell wieder auf Wachstum umschalten, so der Rat des Experten. Jeder dritte Mittelständler sei derzeit nicht für den Aufschwung gerüstet. „In anderen Ländern und Regionen bringen sich die Unternehmen längst wieder für den kommenden Aufschwung in Stellung“, so Englisch.
e&y/pan
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