ConsultingStar.com – Nachrichten und Exklusiv-Informationen über Consultants und andere Professionals


Homepage - Nachrichten - Wirtschaftsprüfung - KPMG: Wirtschaftskriminelle richten meist Millionenschäden an


KPMG: Wirtschaftskriminelle richten meist Millionenschäden an

Drucken E-Mail
16. Juni 2011
Es sind größtenteils Männer, 36 bis 45 Jahre alt, seit vielen Jahren im Unternehmen tätig: Sie greifen heimlich in die Kasse, fingieren Rechnungen und verursachen meist Schäden in Millionenhöhe. Eine gestern veröffentlichte Untersuchung der Prüfungs- und Beratungsfirma KPMG gibt auch Aufschluss über die Komplizen und Motive der Täter mit dem weißen Kragen.

KPMG hat hierfür 348 Fälle von Wirtschaftskriminalität in über 69 Ländern analysiert. Unter die Lupe nahmen die Wirtschaftsprüfer dabei nicht die Finanzhaie, die blauäugigen Anlegern das Geld aus der Tasche ziehen, sondern die Betrüger in den Reihen des Managements oder der Belegschaft eines Unternehmens.

Diese Kriminellen haben letztes Jahr allein in Schweizer Unternehmen Schäden in Höhe von mindestens 365 Millionen Franken (rund 300 Millionen Euro) angerichtet. Pro Fall belaufe sich der Schaden auf rund eine Million US-Dollar (etwa 700.000 Euro) im europäischen Durchschnitt, so KPMG.

Niedriger Frauenanteil

Die meisten Betrugsdelikte werden von Männern begangen. Ihr Anteil (87 Prozent) ist jedoch im internationalen Vergleich nicht überall gleich hoch. Vor allem in Amerika (22 Prozent) und Asien (23 Prozent) ist der Frauenanteil in den Kriminalstatistiken markant höher als in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika, wo er nur acht Prozent beträgt. Dies hänge unter anderem mit dem niedrigen Frauenanteil im Management europäischer Unternehmen zusammen, heißt es in der Untersuchung.

Die Täter handeln selten alleine. Beispiel Amerika: In zwei Drittel aller Fälle hatten die Kriminellen dort Komplizen: „Ein typischer Betrüger versucht beispielsweise, Geld von inaktiven Konten zu transferieren. Dieses Vorgehen bedingt oftmals die Zusammenarbeit mit externen Parteien oder internen Verbündeten“, sagt Anne van Heerden, Head of Risk & Compliance von KPMG Schweiz.

Die Motive weisen zumeist gemeinsame Muster auf: Oftmals stehen die Täter unter finanziellem Druck aufgrund eines exzessiven Lebensstils, sie fühlen sich
gemessen an der getragenen Verantwortung – unterbezahlt oder sie betrügen, um hochgesteckte finanzielle Ziele zu erreichen.

Gelegenheit macht Diebe

In vielen Fällen zeigten die internen Kontrollen deutliche Schwächen. Man habe den Tätern zuviel Vertrauen geschenkt, sie mit genügend Handlungsspielraum ausgestattet, heißt es in der Untersuchung. Darüber lassen die analysierten Unterlagen immer wieder auch den Eindruck entstehen, dass man die straffällig gewordenen Mitarbeiter eher gering geschätzt habe sowohl in finanzieller als auch in nicht materieller Hinsicht.

Auffallend sei auch, dass der Täteranteil in den Chefetagen (Topmanagement) gegenüber der letzten Untersuchung aus dem Jahr 2007 deutlich zugenommen hat. Dagegen sei die Zahl der Delikte auf der Führungsebene darunter („Senior Management“) rückläufig. „Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass in den letzten Jahren gerade auf Ebene des Senior Managements vielerorts Programme zur Bekämpfung von Betrug eingeführt wurden. Dennoch ereignen sich auf dieser Ebene nach wie vor die meisten Betrugsfälle“, sagt van Heerden.

Jedes dritte Delikt wird von Mitarbeitern begangen, die seit mehr als zehn Jahren im Unternehmen arbeiten. Dies kann mit dem steigenden Vertrauen, nachlässigeren Kontrollen, aber auch mit der Zunahme des Handlungsspielraums dieser Mitarbeiter erklärt werden. Ihr Anteil ist gegenüber dem Ergebnis der letzten Untersuchung (22 Prozent) deutlich gestiegen.

Luxuriöser Lebensstil

Laut KPMG gibt es bestimmte Warnsignale, die auf einen Betrug hindeuten. Aufhorchen sollten die Verantwortlichen zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter keinen Urlaub nehmen möchte, sich außergewöhnlich großzügig verhält, ein spezielles Interesse für spezifische Unternehmensabläufe zeigt oder einen luxuriösen Lebensstil pflegt. Auch ein autoritäres Verhalten im Unternehmen und fehlende oder unvollständige Dokumente sind Zeichen, die man nicht ignorieren sollte.

kpmg/pan

 


Stichwortsuche
Durchsuchen Sie alle Nachrichten und Profile von ConsultingStar.com



Neu registriert


Umfrage
Yahoo-Chef Thompson hat seinen Lebenslauf frisiert - und muss gehen. Richtig so?