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Rödl & Partner: „Heuschrecken“ helfen dem deutschen Mittelstand Drucken E-Mail
6. Mai 2009
Die Finanzkrise drückt die Stimmung bei den Private-Equity-Investoren. Die Chefs dieser Gesellschaften, die sich vorwiegend bei mittelständischen Unternehmen engagieren, klagen über Probleme bei der Einwerbung von Kapital. Der Appetit ist den sogenannten Heuschrecken auch deswegen vergangen, weil der Wert der Unternehmen, an denen sie sich beteiligt haben, gesunken ist. Auf mittlere Sicht aber schätzen die Investoren ihre Chancen positiv ein wenn nur die Rahmenbedingungen besser wären.

Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner hat im Frühjahr dieses Jahres rund 300 in Deutschland tätige Beteiligungsgesellschaften befragt. Die Umfrage-Ergebnisse hat Rödl & Partner jetzt veröffentlicht.

Zentrale Erkenntnis: Die Finanzkrise verschlechtert nicht nur die Finanzierungsbedingungen für die mittelständische Wirtschaft. Auch die Beteiligungsbranche selbst muss erhebliche Einschnitte hinnehmen, weil kreditgestützte Übernahmen kaum noch finanzierbar sind. Genauer: 91 Prozent der Umfrage-Teilnehmer bewerten das Finanzierungsverhalten der Banken als restriktiv.

Keine gefräßigen Heuschrecken

Dennoch sind die Befragten zuversichtlich, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Sie verfügen nach wie vor über ausreichende Mittel, um den Eigenkapitalbedarf der mittelständischen Wirtschaft zu decken. Und sie wollen und werden weiter investieren. Die Aufnahme von Beteiligungskapital entwickelt sich so zu einer der bedeutendsten Alternativen für die Mittelstandsfinanzierung. Aus den Heuschrecken werden langsam zahme Grashüpfer, die die Wirtschaft beleben“, sagt Wolfgang Kraus, geschäftsführender Partner bei Rödl & Partner.

Mittelständische Unternehmer stünden den Finanzinvestoren heute viel offener gegenüber, so Kraus weiter. Doch die weitere Entwicklung werde davon abhängen, ob der Markt für Transaktionen und Börsengänge wieder in Gang komme. Nur so hätten die Investoren auch eine Möglichkeit zum Ausstieg aus ihren Beteiligungen.

Die Beteiligungsbranche wird die Jahre 2009/2010 dazu nutzen, ihre Engagements zu konsolidieren“, sagt Björn Stübiger, Leiter Corporate Finance bei Rödl & Partner. „Aber Optimismus ist berechtigt. Die restriktive Kreditvergabe der Banken treibt die mittelständische Wirtschaft in die Arme der Finanzinvestoren. Wenn es diesen gelingt, ihre Reputation weiter zu verbessern, werden Private-Equity-Investitionen bald zum Normalfall, so Stübinger.

Mehr Unabhängigkeit von den Banken

Als wichtigster Grund für die Aufnahme von Beteiligungskapital benennen 56 Prozent der Unternehmen den Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von den Banken. 30 Prozent lösen die Nachfolge über die Aufnahme eines Finanzinvestors. „Die Finanzkrise hat eine Vertrauenskrise gegenüber den Kreditinstituten ausgelöst. Viele Mittelständler sehen die Beteiligungen heute als Rettungsanker und nicht mehr als Bedrohung an“, so Stübiger.

Beteiligungsunternehmen verfolgen bei ihren Investitionen eine klar definierte Strategie. Private Equity wird stets auf begrenzte Zeit bereit gestellt. Investments werden dabei krisenbedingt deutlich langfristiger angelegt. Fast ein Drittel der Gesellschaften strebt heute eine Beteiligungsdauer von drei bis sechs Jahren an, im Vorjahr waren dies nur knapp ein Viertel der Befragten.

Umwelttechnologie, Medizintechnik und Pharma/Biotechnologie stehen nach wie vor im Interessenfokus der Finanzinvestoren. Aber auch der Maschinen- und Anlagenbau, Elektro- und Informationstechnik sowie Telekommunikation gelten als attraktive Branchen. Dagegen rangieren Bau/Handwerk, Textil, Nahrungs- und Genussmittel, der Handel sowie der Fahrzeugbau unter ferner liefen. „Die von der Krise besonders gebeutelten Branchen können ihre Finanzierungsprobleme nicht durch Beteiligungskapital lösen“, so Stübiger.

Bayern attraktivster Standort

Bei der Gewichtung der fünf stärksten Investitionsstandorte ergibt sich ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Bayern gilt bei Finanzinvestoren als attraktivster Standort (34%), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (27%) und Baden-Württemberg (22%). In Ostdeutschland kann lediglich der Wirtschaftsraum Berlin (7%) punkten. Die norddeutschen Bundesländer rangieren ausnahmslos am Ende des Rankings. „In Bayern und mit Abstand auch in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg stimmen die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Engagement der Finanzinvestoren“, sagt Kraus.

Die steuerlichen Rahmenbedingungen, die Deutschland bietet, stoßen bei den Investoren auf scharfe Kritik. Das Wagniskapitalbeteiligungsgesetz halten sie für missglückt. Viele der Befragten fordern, die gesetzlichen Voraussetzungen für Finanzinvestoren in Europa und den USA zu vereinheitlichen. „Sollte die Politik ein langfristiges Interesse daran haben, dass Kapitalinvestitionen in den deutschen Mittelstand erfolgen, sollte sie die Tätigkeit von Finanzinvestoren nicht steuerlich sanktionieren“, so Stübiger.

r&p/pan

 


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